Vorbereitungsrecherchen zum Lautertaler Wasserkraftwerk in vollem Gange
Donnerstag, den 17. November 2011 um 00:00 Uhr
Verbraucher
Das mögliche Wasserkraftwerk an der Lauter bereichert seit März diesen Jahres so manches Lautertaler Feierabendgespräch: „Kann man mit unserer Lauter tatsächlich Strom produzieren?""Wieviel Wasser braucht man denn zur Stromgewinnung?" „Wie soll das funktionieren?" Diese und ähnliche Fragen höre man immer wieder, wenn das Thema Strom aus erneuerbaren Quellen im Lautertal angeschnitten wird. Jedoch blieb es die letzten Monate erstaunlich still um das von der Grünen Liste Lautertal vorgebrachte Projekt.
„Manch einer hat natürlich gedacht, dass wir nur einen Wahlkampfgag produzieren", nimmt GLL-Fraktionsvorsitzender Frank Maus kein Blatt vor den Mund. „Wahr ist, jedoch, dass uns die Idee mit der heimischen Wasserkaft richtig ans Herz gewachsen ist. Aber es ist alles nicht so einfach und vor allem nicht so schnell umsetzbar, wie der Laie das vermutet. Die erste Schwierigkeit liegt darin, wirklich kompetente Fachleute dafür zu finden". Die sind jedoch zwischenzeitlich entdeckt und seit einigen Wochen mit der Projektidee beschäftigt, wie aus den Reihen der SPD-GLL-Kooperationspartner zu hören ist.
Jürgen Aust, Physiker aus den Reihen der GLL, verweist auf weitere technische Details, die zur Vorbereitung des Konzepts unbedingt beachtet werden mussten: „Im Frühjahr 2011 entstand die Idee zum Wasserkraftwerk, heute sind wir um einige Erkenntnisse weiter. Während im März das Wasserdargebot nur geschätzt werden konnte, haben wir in den langen Trockenphasen dieses Frühjahrs und Sommers Pegelstände ermittelt. Damit können wir nun auch die Mindestschüttung der Lauter angeben. Im März wurde das geschätzte Wasserdargebot als Berechnungsgrundlage verwendet. Die mehrfach gemessenen Mengen zu Trockenphasen scheinen Teile der Annahmen zu stützen. Maßgeblich zur Wirtschaftlichkeit ist das nutzbare „Mittelwasser" (Durchschnittsschüttung).
„Lautertaler Energiewende", im Kommunalwahlkampf noch alleiniger Schwerpunkt der GLL bildet nun einen der Hauptpfeiler der SPD-GLL-Kooperation. „Als wir die Besetzung der Ausschüsse diskutierten, war für mich klar, dass ich bei der Energiewende kräftig mitanpacken wollte", macht auch Klaus Harjes (SPD) keinen Hehl aus seinem Interesse. „Daher war ich auch mit dem Vorschlag einverstanden, Frank Maus als stellvertretenden Ausschussvorsitzenden im Umwelt- und Energieausschuss zu unterstützen." Harjes kommen dabei seine Kenntnisse als Studiendirektor mit dem Fach Physik zu Pass.
„Wasserdargebot und Fallhöhe sind die zwei spannenden Variablen, die den Stromertrag aus der erneurbaren Wasserquelle bestimmen", erinnert Achim Straus an die Meldungen der GLL vom Frühjahr. Wer mich kennt, weiß, dass mich jede Form von Energie aus der Natur fasziniert. Am Anfang hielt ich die GLL-Idee für eine nette Story, dann habe ich jedoch nachgerechnet und kann sagen, dass hier wirklich der Strom als Wasser den Berg runterrauscht. Das schöne an einem Wasserkraftwerk ist zwar nicht die absolute Energieausbeute pro Sekunde aber es handelt sich um ein Grundlastkraftwerk. Grundlast bedeutet Versorgungssicherheit ohne Einschränkung durch Tages- oder Nachtzeiten, Sonne oder Regen." Straus ist lokal als Regenerativ-Pionier bekannt aber bewusst kein Parteianhänger. Er hat schon Photovoltaikanlagen auf seinen Dächern verlegt und ein Passivhaus gebaut, als die meisten Lautertaler noch über diese Techniken gelacht haben. Bei diesem Projekt begleitet er die Initiatoren insbesondere hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und Finanzierungsmöglichkeiten.
Unzweifelhaft sei aus der Idee eine kleine Bewegung geworden, die ganz unterschiedliche Menschen zusammengeführt hat. Hierbei habe man die Parteigrenzen hinter sich gelassen, ergänzt Maus. „Es ist schön, wenn man von so vielen Menschen angesprochen wird, wie weit das Projekt gediehen ist. Es gibt eine Menge Bürger, die aus den unterschiedlichsten Gründen den Kontakt zu uns gesucht haben. Da gibt es den typischen Öko, unauffällige Normalbürger aber auch Wirtschaftstreibende aus dem weiteren Dunstkreis der Wirtschaftsvereinigung Lautertal. Alle diese wissen längst, dass man mit Sonne, Wasser und Wind auch im Lautertal gutes Geld verdienen kann und dass ganz nebenbei auch Arbeitsplätze vor Ort unterstützt werden. Zwei Dinge haben die meisten Interessierten dabei gemeinsam: Erstens die Freude die unsäglichen Atomkraftwerke in Biblis und andernorts hinter sich lassen zu können und die Erkenntnis, dass erneuerbare Energie oft unvermutet schlummert und zum Leben erweckt werden sollte."
Die GLL weist abschließend darauf hin, dass man derzeit auf die technisch-wirtschaftliche Projektskizze eines Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft warte. Dieses sollte noch im Herbst eintreffen und wäre die Basis für weitere Schritte. Dazu gehören dann Behördentermine uvm, um die Projektidee weiter mit Leben zu füllen. Früher oder später wäre es dann auch an der Zeit die Finanzierung und Investitionen konkret anzupacken. Es gibt schon ein paar Bürger, die das Konzept mit Pioniergeist auf den Weg bringen möchten – die finanzielle Basis scheint damit gelegt. Wichtig ist hierbei, dass man die Wertschöpfung vor Ort sichern möchte – schließlich soll es ein Lautertaler Wasserkraftwerk sein. Ob die Gemeinde Lautertal selbst mit ins Boot einsteigt, werde zu gegebener Zeit überprüft.