Einer für alle: Leerkanal wird verlegt

Die Straßen in den Ortsteilen sollen nur noch einmal aufgerissen werden Baustellen sind allseits beliebt: zuerst wird der Kanal gemacht - Straße auf, Straße zu. Dann kommt die Telekom - Straße auf, Straße zu. Und nicht viel später muß etwas an den Gasverteilern geändert werden - Straße auf, Straße zu.

Dies soll jetzt anders werden. Nach unzähligen Beschwerden von Anwohnern und Verkehrsteilnehmern haben sich im vergangenen Jahr das Kreisstraßenbauamt und die Gemeinde Lautertal gemeinsam um ein Projekt “Straßen-Infrastruktur” bei der TH Darmstadt beworben und gleichzeitig einen Antrag auf LEADER+-Förderung gestellt. Dessen Bewilligung läßt zwar noch auf sich warten, die Studenten der TH allerdings legten bereits ein brauchbares Konzept vor: damit muß die Straße nun nur noch ein einziges Mal aufgerissen werden. In 80 cm Tiefe wird ein frostsicheres Leerrohr gelegt, durch das später von Inspektionsschächten entlang der Strecke alle Arbeiten mittels Rohrkamera und flexibler ausfahrbarer Werkzeugarme vorgenommen werden können, sei es Gas, Wasser, Strom oder Telefon. Danach wird die Straßendecke ein für allemal geschlossen (bis sie so reparaturbedürftig wie in Schannenbach ist). Vorgenommen werden soll diese Arbeit - Bewilligung der Förderung vorausgesetzt - im Zuge der Breitbandversorgung in den Ortsteilen Elmshausen und Beedenkirchen. Die anderen Ortsteile werden nach und nach versorgt, sobald dort die nächste Straßenreparatur ansteht.

Mit dem Breitband-Internet kommt eine weitere Innovation für Lautertal

Ein weiterer Aspekt des Gesamtprojektes “Straßen-Infrastruktur” der TH Darmstadt ist jedoch besonders pfiffig: das ZAKB plant nämlich, angelehnt an eine Einrichtung in einem Heidelberger Trabantenstadtteil, eine Gemeinschaftstaubsauganlage für die privaten Haushalte und die Gewerbebetriebe im Lautertal.

Das Leerrohr wird überall dort, wo es jetzt bereits verlegt wird, bis zum Hausanschluß der einzelnen Objekte führen, darin liegt dann bereits ein Schlauchsystem zum Absaugen aller feinen festen Stoffe. Das Anschlußmodul für die Häuser ist kleiner als eine Wasseruhr und läßt sich ohne große Umbauarbeiten installieren. Mit einem speziellen Staubsauger, der dann an dieses System angeschlossen wird, kann die gesamte Wohnung oder auch Werkstatt von Stäuben aller Art befreit werden. Die Sauggeräte können bis zum 1. April 2010 beim Bauamt der Gemeinde Lautertal bestellt werden, die für diese Sammelbestellung gute Rabatte aushandeln konnte. Man kann dann entweder einen langen Schlauch zwischen Sauger und Anschlußmodul stecken, oder man kann das System - bei einem sowieso geplanten Hausumbau - im Modulsystem fest in die Wände einbauen wie eine Steckdose. Zusätzlich kann der Staugsauger über einen Unterdruck-Akku betrieben werden, der zusätzliche Bewegungsfreiheit gibt, z.B. zum Auto-Aussaugen. Dieser Akku kann in einer speziellen Vakuumstation mit Chipkarte entleert werden. Die Chipkarte muß einmal jährlich ausgetauscht werden, die neue kommt jeweils mit der Wasser/Abwasser/Müllabrechnung der Gemeinde. Der jährliche Verbrauch wird ähnlich der Sperrmüllabfuhr über diese Gemeindeabrechnung beglichen.

Vom Hausanschluß wandert der Staub völlig ohne Kontakt mit den menschlichen Atemwegen durch das Rohrsystem direkt zur ZAKB in Bensheim, wo der Luftstrom durch spezielle Feinstaubfilter als sauberes Maienlüftchen in die Umwelt abgegeben wird. Alle zurückgehaltenen Stäube und Verunreinigungen werden als Preßkuchen in stillgelegten Bergwerksstollen gelagert. Hausstauballergien können so deutlich vermindert werden, Gift- und Reizstoffe werden ohne Kontakt entsorgt. (aa)