Felsenmeer bald auch für Kinderwagen und Rollstühle zugänglich

Der Durchblick-Aprilscherz 2006

Wer die Sehenswürdigkeiten des Felsenmeeres besichtigen möchte, muß bislang gut zu Fuß sein. Ganz ohne Treppenstufen oder Kletterei sind viele der schönsten Naturfelsformationen nicht zu erreichen. Für Gehbehinderte ist der Hauptstrom des Felsenmeeres nur vom Parkplatz Römersteine mit einem Anmarsch von fast 30 Minuten zugänglich, auch Familien mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer haben nur diese eine Möglichkeit.

Bereits 1999 wurden Gespräche mit dem damaligen Gemeindevertreter Matthias Wilkes, heute Landrat des Kreises Bergstraße, und anderen geführt, um eine Verbesserung die- ser Situation zu erzielen. Inhalt war damals die Errichtung einer Seilbahn. Jetzt endlich konnten konkrete Fortschritte erzielt werden: eine Düsseldorfer Firma, die sich auf Sessellifte und Transportseilbahnen spezialisiert hat und zugleich eine eigene Betreibergesellschaft als Tochter hat, konnte für das Projekt interessiert werden. Aufgrund neuer EU-Fördertöpfe zur Stärkung des Tourismus bietet diese Firma dem Naturpark Bergstraße-Odenwald an, alle Formalitäten von der Beantragung der Fördergelder bis hin zur Baugenehmigung zu übernehmen. Als Gegenleistung möchte sie den Gewinn der ersten zehn Betriebsjahre, danach kann die Anlage in den Besitz des Naturparkes über- gehen, kann jedoch auch weiterhin von der Düsseldorfer Betreiberin geführt werden. Zu den technischen Einzelheiten äußerten sich die Düsseldorfer so: die Richtlinien für den Bau und Betrieb von Sesselliften (ein 57-seitiges Regelwerk) schreiben bestimmte Sicherheitsmaßnahmen vor, die sich jedoch im Felsenmeer leicht umsetzen lassen. So ist die minimale Bodenfreiheit für Sessellifte von 2,5 Meter an jeder Stelle gut gewährleistet. Mit nur drei Stützen mit Betonfundamenten kann die Seilbahn über das gesamte Felsenmeer geführt werden. Die unterste soll auf dem großen Parkplatz am Fuß des Felsenmeeres errichtet werden, in der Mitte an der Brücke die zweite, und die oberste Stütze wird oberhalb des Altar-steines errichtet, wo ein ausreichend großer Platz für die Wendescheibe der Seilbahn zur Verfügung steht. An dieser Stelle kreuzen sich mehrere Wanderwege, der Parkplatz "Felsberg" ist nur 5 Minuten Fußweg entfernt. Mit einer Geschwindigkeit von 2 Metern pro Sekunde bewegen sich die Sessel, ergänzt durch zwei Lastenbühnen für Kinderwagen oder Rollstühle, hinauf und hinunter. Ein spezieller geschlossener Transportkorb ermöglicht es den Betreibern des Kiosks an der Riesensäule, bequem ihren Verkaufsbedarf von Reichenbach hinauf zu transportieren. In einem Schreiben vom 23. März 2006 leitete der Naturpark Bergstraße-Odenwald das Angebot der Düsseldorfer Firma an die Anrainer-Gemeinden, also auch an die Gemeinde Lautertal.
Landrat und Naturpark-Vorsitzender Matthias Wilkes, dem die touristische Zukunft Lautertals sehr am Herzen liegt, schreibt in einem begleitenden sehr persönlichen Schreiben, "das Felsenmeer ist eine Perle im Nibelungenschatz, die mit einer solchen Anlage zum Glänzen gebracht werden kann. Eine Chance, wie sie die Firma (Name geschwärzt, die Red.) aus Düsseldorf bietet, dürfen wir nicht ungenutzt lassen. Touristische Bahnen und Lifte gerade auch in Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald oder der sächsischen Schweiz erwiesen sich sofort als Touristenmagnet und als umsatzträchtige Investition für die Betreiber. Manche Schwarzwaldgemeinde finanziert über die Bahneinnahmen ihre gesamte Tourismuswerbung." Bürgermeister Kaltwasser meinte in einer ersten Stellungnahme zu dem Schreiben: "da müssen wir alle Reibereien außen vor lassen und zugreifen. Ich werde das Thema bei der nächsten Gemeindevorstandssitzung auf den Tisch bringen, so daß wir im Juni bei der ersten Gemeindevertretersitzung nach der Konstitution im April bereits darüber diskutieren können." (aa)