20 Jahre Festspiele: Von den Rittern zu den Fürsten

XX. Internationale Sommerfestspiele Bensheim-Auerbach

Die Festspiele auf dem Schloß waren Kult / Neue Ära im Fürstenlager

Die Festspiele in der einzigartigen Atmosphäre des historischen Palas auf Schloß Auerbach hatten von 1991 bis 2000 eine Ausnahmestellung unter den deutschen Freilichtspielen. Die überlegte und stets konkurrenzlose Spielplanpolitik von Festspielleiter Klaus P. Becker mit maßgeschneiderten Stücken und Inszenierungen für diesen einmaligen Theaterraum sorgte stets für Aufsehen, sodaß die Festspiele weit über die Region hinaus schnell Kult-Charakter erlangt hatten. Das Publikum pilgerte auch mit bundesweiter Resonanz begeistert auf den Auerberg, in Spitzenzeiten bis zu 10.000 Besucher. 2001 ist Becker mit Rücksicht auf die sich parallel entwickelnde mittelalterliche Rittergastronomie auf Schloß Auerbach in den malerischen Staatspark Fürstenlager gewechselt. Dort haben die Festspiele im vorzüglichen Ambiente eines herausragenden Kulturdenkmals ein neues, ideales Umfeld mit mediterranem Flair und einzigartiger Aura gefunden, das den hohen Ansprüchen auf ideale Weise gerecht werden konnte.

Im Sommer 2010 hat Becker im Fürstenlager aus familiären und gesundheitlichen Gründen pausiert, auch wenn es ausgerechnet das 20. Jubiläumsjahr getroffen hat. So finden in diesem Jahr nur die obligatorischen Veranstaltungen im Parktheater statt: Am 30. Oktober eine Jazz-Gala mit der Barrelhouse Jazzband und vielen Gastsolisten und ein Silvester-Special „Kann denn Liebe Sünde sein?“ am 31. Dezember mit dem Damen-Salonorchester „Die Palastsirenen“.

 Inflationäre Flut von Schloß- und Burgfestspielen allerorten

Die Festspiele haben von jeher sowohl in der alten Spielstätte auf Schloß Auerbach im Bereich Schauspiel, als auch aktuell im Staatspark Fürstenlager mit der Beschränkung nur auf Konzerte einen ausgesprochenen Nischen-Spielplan auf hohem Niveau gepflegt und waren inhaltlich somit schon immer konkurrenzlos zur inflationären Flut von Schloß- und Burgfestspielen allerorten.

 Weltoffene und völkerverbindende Spielplanpolitik

Mit dem dauerhaften Wechsel der Sommerspielstätte von Schloß Auerbach in den Staatspark Fürstenlager 2001 hat sich das inhaltliche Profil mit dem inzwischen identitätsstiftenden, übergeordneten Motto „Kontinente.Kulturen.Kontraste“ nachhaltige geschärft: Thematisch gebundene und dramaturgisch vernetzte Konzertspielpläne aus dem Bereich Weltmusik in einer wohldosierten Mischung aus großen Namen und schillernden Exoten. Dank dieser konsequenten Spielplanpolitik ist es Festspielleiter Klaus P. Becker gelungen, so manchen Exoten und einst unbekannten Außenseiter inzwischen zu einem beliebten Klassiker und Publikumsmagneten aufzubauen. Entsprechend pflegen die Festspiele ihre Klassiker über Jahre mit immer wieder neuen Programmen und in verschiedenen Projekt- oder Besetzungskonstellationen. Neben dem Schwerpunkt Weltmusik gelten die Festspiele in Deutschland auch als eine erste Adresse für A cappella & Vokaljazz. Hier treten - dank persönlicher, freundschaftlicher Kontakte - regelmäßig die absolute Weltspitze der Genres auf, wie u.a. die mehrfachen Grammy-Gewinner The New York Voices (USA), The Real Group (Schweden), The Swingle Singers (GB), Rajaton (Finnland).

 „Blond“: 2011 rasante Musik-Revue im Fürstenlager

Bedingt durch die offene Form und den Arena-Charakter der Spielstätte im Staatspark Fürstenlager ist Sprechtheater hier weniger geeignet. In Zukunft will Becker aber für den Spielort geeignete musikalische Bühnenproduktionen in das Programm integrieren, von denen er überzeugt ist, dass sie an den Kult-Charakter der Inszenierungen auf Schloß Auerbach anknüpfen können: So im Sommer 2011 ein Festspiel-Special „Blond - frisch getönt“, ein rasanter Streifzug durch die „blonde“ Musik in einer kessen Mischung aus Revue, Musik-Comedy und Kabarett mit Annette Postel, Gunzi Heil und Joe Völker (Piano).

 Großer Einzugsradius in exponierter Lage

Bedingt durch die exponierte Lage im Zentrum der Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar und die hervorragende Verkehrsanbindung erstreckt sich der abendliche Publikumsradius regelmäßig weit über die Grenzen des Großraums Rhein-Main-Neckar hinaus. Zu besonderen Veranstaltungen reist bundesweit Publikum an, vereinzelt auch aus dem benachbarten Ausland.

 Je nach Veranstaltung kommen 75 bis 85 Prozent der Besucher regelmäßig von außerhalb nach Bensheim. Diese Orientierung auf einen großen Einzugsradius über die Bergstraße hinaus hatte Becker von jeher strategisch so angelegt, da er sehr realistisch nicht davon ausgegangen war, dass das sehr spezielle inhaltliche Nischen-Angebot der Festspiele allein mit lokalem Publikum ausreichend frequentiert werden würde.

 Vertrauens- und Kompetenzbonus, gewachsene Besucherbindung

In der Besucherkartei sind aktuell rund 15.000 Adressen registriert. Durch diese hohe Besucherbindung mit direkter Kommunikation sind die Festspiele relativ autark und nicht von kostenintensiven Werbemaßnahmen abhängig. Jedes Jahr kommen rund 500 neue Adressen hinzu. Weiterhin ist es Becker über die direkte Kommunikation gelungen, einen über die Jahre gewachsenen großen Vertrauens- und Kompetenzbonus aufzubauen, der es erst ermöglicht hat, ein derart anspruchsvolles Nischen-Programm beim Publikum auf Dauer mehrheitsfähig zu machen.

 

Kontinente.Kulturen.Kontraste“ im Fürstenlager: Exemplarisch für die weltoffene, völkerverbindende Spielplanpolitik von Festspielleiter Klaus P. Becker steht Yungchen Lhamo, die große Stimme Tibets und Botschafterin des Dalai Lama in aller Welt.