Der Durchblick-Buchtipp: „Arm aber Bio"

Arm aber bio TitelDer Beweis: Bio-Ernährung ist nicht teurer als konventionelle!


Die Kochbuchautorin Rosa Wolff ißt gern und gut. Da passierte ihr eines Tages das, was jedem von uns jederzeit auch passieren kann: ihr Einkommen war plötzlich nicht mehr gesichert und sie hatte monatlich für Lebensmitteleinkäufe nicht mehr als Hartz-IV-Empfänger zur Verfügung, nämlich sage und schreibe 132,71 Euro.*

Zugleich setzte sie sich selbst die Aufgabe, sich einen Monat lang mit 132,71 Euro ausschließlich von Bioprodukten zu ernähren. Nun muß man bedenken, daß sie mitten in München lebt und in wenigen Fußminuten mehrere große Bioläden erreichen kann, was bei uns auf dem Land ohne Auto oder wenigstens Mitfahrgelegenheit unmöglich ist. Und sie verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit Einkaufen und Zubereiten der Mahlzeiten.

 

 

Wolff lernte dabei viel: zuerst wie man mit der entwürdigenden Situation der Armut klarkommt. Dann, welche Lebensmittel unbedingt notwendig sind und welche nicht: Fleisch entfiel ganz, dafür leistete eine Chorizowurst in bester Bioqualität ihren Beitrag zur gelegentlichen Lust am Fleisch. Wolff verzichtete auf Olivenöl, aber nicht auf Butter. Denn von Ersatzstoffen wie Margarine hält sie nichts, da nimmt sie lieber weniger Butter. Sie lernte auch konsequentes Preisvergleichen: eine Bio-Kiwi im Bioladen kostete genauso viel wie eine konventionelle bei Rewe.

Und sie lernte, wie schlau Politiker mit dicken Diäten (warum heißt das eigentlich ausgerechnet Diät?) sein können: Thilo Sarrazin, der Retter Deutschlands, rechnete nämlich vor, daß man mit dem Hartz-IV-Satz beispielsweise 100 Gramm Hackfleisch für 38 Cent kaufen kann, oder daß eine Scheibe Bierschinken aus der Großpackung nur 15 Cent kostet. Gesund und lecker, und die restlichen neun Scheiben Bierschinken wirft man dann halt weg, weil für die reicht ja das Geld nicht. Und ist es wirklich im Sinne der Nachhaltigkeit für Mensch, Tier und Umwelt gedacht, Hackfleisch zu 3,80 Euro das Kilo zu empfehlen?

„Es schämen sich meist nur die, die in einer Notlage sind, selten jene, die anderer Leute Notlagen verursachen" - auch ein schöner Satz von Rosa Wolff.

Fleisch muß auch gar nicht sein, denn die beste Eiweißquelle ist die Kombination aus Kartoffeln und Ei. Im Anhang ihres Buches findet man etwa 60 Rezepte, die Wolff in diesem Monat zubereitet hat, aufs Gramm und auf den Cent genau. Ergebnis: obwohl sie am Anfang Panik hatte und fürchtete ihr Ziel nicht zu erreichen, konnte sie sich einen ganzen Monat lang ernähren und brauchte nur 3,03 Euro mehr als den Regelsatz. Dabei fing sie tatsächlich bei absolut Null an, sie kaufte auch Dinge wie Salz oder Mehl neu. Schwer zu schaffen war es teilweise, rein vegetarisch mit bezahlbaren Lebensmitteln wirklich auf die erforderliche Tageskalorienzahl zu kommen, und die geforderten fünf Obst-Gemüse-Einheiten pro Tag einzuhalten.
Das Buch „Arm aber Bio" ist allen jenen empfohlen, die immer behaupten, daß Bio-Lebensmittel zu teuer seien. Es liefert den Beweis, daß dem nicht so ist:
Rosa Wolff, Arm aber Bio, Edition Butterbrot,
ISBN 3-9813469-0-9. Erhältlich im Buchhandel,

mit 11,95 Euro eine gute, wenn auch für Hartz-IV-Empfänger teure Investition. M. Hiller