Was ist ein Waldkindergarten

Der Waldkindergarten unterscheidet sich zu den normalen Kindergärten nur durch das Fehlen eines Gebäudes. Stattdessen spielen, toben, basteln, singen und lernen die Kinder in der freien Natur. Und dies ganzjährig bei jedem Wetter. Dies ermöglicht es den Kleinen, den jahreszeitlichen Rhythmus direkt wahrzunehmen.

Bei Gewitter und Sturm wird ein aus Sicherheitsgründen natürlich ein Schutzraum aufgesucht. Ansonsten werden die Kinder ganau wie im Regelkindergarten von ausgebildeten Erziehern /-innnen betreut und angeleitet. Die Idee des Waldkindergartens stammt aus Dänemark, dort wurde der erste Waldkindergarten 1954 gegründet. Die junge Mutter, Ella Flatau, ging regelmäßig mit ihren Kindern zum Spielen und zur Naturbeobachtung in den Wald. Nachbarn und Freunde schlossen sich der Idee an und gründeteten eine Initiative. So entstand 1954 in dem skandinavischen Land der erste Waldkindergarten. In Dänemark gehört heute diese Form der Kinderbetreuung zu padagogischen Standard. In Deutschland wurde der erste "Waldkindergarten" 1968 als Privatinitive in Wiesbaden gegründet. Der erste offiziel anerkannte existiert seit 1993 in Flensburg und wird auch seit dieser Zeit von der Stadt Flensburg gefördert. Heute bestehen zwischen 350 und 400 Waldkindergärten in Deutschland.


Was macht ein Waldkindergarten?
Die Kinder besuchen ihren Waldkindergarten täglich für einige Stunden. Die Betreuungszeiten und Öffnungstage sind mit denen anderer Kindergärten vergleichbar. Die Organisation unterscheidet sich nur unwesentlich vom Regelkindergarten. Die Finanzierung wird meistens komplett von den Eltern getragen, als Träger fungiert ein Verein. Die pädagogischen Inhalte enthalten alle gesetzlichen Vorgaben, die Trägervereinee setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Ähnlich wie in einem kirchlichen Kindergarten die christliche Erziehung stärker im Vordergrund steht als bei einer kommunalen Einrichtung. Die Schwerpunkte liegen meist in der Umwelterziehung, dem Sozialverhalten oder der Bewegung.
Die Kindergartenstunden verbringen die Kinder mit ihren Betreuern in der freien Natur an der frischen Luft. Die Gruppen von 15 bis 20 Kindern werden von mindestens zwei Personen betreut.
Die Vorteile Im Waldkindergarten wird nicht nur auf das sonst übliche Gebäude verzichtet, sondern auch auf vorgefertigtes Spielzeug. Lediglich einige Werkzeuge werden mitgenommen. Die Kleinen müssen mit den in der Natur vorhandenen Gegenständen auskommen. Tannenzapfen, Holzstücke, Lehm ersetzen Puppen und Legosteine. Dies fördert neben der Kreativität auch die Sprachkompetenz der Kinder, da sie auf den verbalen Austausch mit den anderen Kindern angewiesen sind. Mehrere Studien belegen : "Der Aufenthalt in der Natur trägt maßgeblich zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden der Kinder bei. Das Immunsystem wird durch den Aufenthalt in der frischen Luft gestärkt. Waldkindergartenkinder erkranken seltener an Erkältungen als im Regelkindergarten." Ein wohl trainiertes Immunsystem minimiert auch das Risiko allergischer Reaktionen. Desweiteren bewirkt die ständige Konfontation mit dem unebenen und nicht aufgeräumten Waldboden ein Training des Gleichgewichtssinnes und der Grobmotorik. Nicht zuletzt deshalb liegt die Unfallgefahr bei Waldkindergärten unterhalb derer von "Gebäude"-kindergärten, bei denen doch jeder Stab des Treppengeländers laut DIN Norm sicher ist. Das hängt aber eventuell auch mit einem anderen Gefahrenbewußtsein der Waldkindergartenkinder zusammen.


Nicht nur gesünder sondern auch schlauer?


Im Rahmen einer Doktorarbeit kommt Peter Häfner genau zu diesem Schluss. Er kommt zu der Feststellung: "Im Schnitt verfügen sie (die Waldkindergartenkinder) über eine sehr eloquente Ausdrucksweise und zeichnen sich auch etwa im musischen Bereich durch hohe Leistungsfähigkeit aus. Sowohl hinsichtlich Phantasie und Kreativität als auch der Mitarbeit im Unterricht, dem sozialen Verhalten und ihrer Motivation schneiden sie evident besser ab als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus dem Regelkindergarten." Dadurch hätten sei bei Waldkindergartenkinder die Fähigkeit sich selbst Inhalte zu erarbeiten stärker vorhanden als bei Besuchern von Regelkindergärten. "In einer Pressemitteilung der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland vom 4. Dezember 2001 steht bereits in der Einleitung, dass eine klare neue „Ausrichtung des Unterrichts weg von theoretischer lebensfernen Bildung hin zu einer handlungs- und anwendungsorientierten Kompetenz" als Schlussfolgerung aus der PISA-Studie gezogen werden muss. Wer kann in der vorschulischen Bildung eine solche Aufgabe wohl besser wahrnehmen als ein Waldkindergarten?", so Peter Häfner in seiner Zusammenfassung.


Kindergruppen im Wald und Naturschutz?


Nach dem Motto "Nur, was man kennt, liebt und schützt man", unterstützt zum Beispiel die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Waldkindergarten-Idee mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Bei den meisten Waldkindergärten wird auf eine Umwelterziehung wertgelegt. Neben der "Schutzgmeinschaft Deutscher Wald" unterstützen auch weitere Verbände die Idee. So zum Beispiel die Landesforstverwaltung Baden-Würtemberg.


Gibt es auch Nachteile?


Als wesentlicher Nachteil des Waldkindergartens sind die begrenzten Öffnungszeiten. Da die Kinder durch den Aufenthalt im Freien stärker belastet sind, ist eine Ganztagesbetreuung nicht machbar. Dies stellt für berufstätige Eltern ein Problem dar. Durch Kombinationen mit einem konventionellen KiGa_Angebot wird dieses Problem stllenweise gelöst. So findet der Wald-KiGa von 8.00 bis 13:00 statt und anschließend geht die Gruppe in einen normalen Kindergarten zum Mittagessen und dort findet auch die Nachmittagsbetreuung statt. Eine solche Lösung ist jedoch nicht immer möglich.
Kurzfristige Ausfälle wegen Unwetter oder extremen Minustemperaturen sind zwar selten stellen berufstätige Eltern, dann vor ein Problem. Die Waldkindergärten lösen diese Probleme durch eine flexible Organisation (Telefonketten, vorbereitete Besuche bei Handwerkeren, Betrieben, Behindertenheimen etc.), sind dabei aber auf die Mitarbeit von euínigen Eltern angewiesen.
Als weiterer Nachteil stllet sich die schwierige Aufnahme von körperlich Behinderten Kindern in einen Waldkindergarten dar. Während ein Gebäude behinderten- bzw. rollstuhlgerecht zu gestalten ist, kann man den Wald nicht entsprechend umbauen.


Quellen und weitere Informationen..


Wikipedia Deutschland
Landesforstverwaltung BAden-Würtemberg
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft der Schweiz
Waldkindergarten Rotenburg Hier finden Sie ein Beispiel für die Organistaion eines Waldkindergartens.
Doktorarbeit von Peter Häfner Projektbericht eines Schweizer Schulpsyschologen Zusammenfassung der Lizenziatsarbeit von Sarah Kiener, Institut für Psychologie, Universität Fribourg (CH)