Abwrackpämie für alte Heizkessel?

Der Heiztechnikmarkt bietet ein enormes Einsparpotenzial in der Wärmeversorgung

Die globale Energiesituation ist gekennzeichnet durch begrenzte Erdgas- und Erdölreserven bei steigendem Verbrauch. Zudem heizen wachsende CO2-Emissionen unsere Atmosphäre auf und führen so zu einem Klimawandel. Das zwingt zum sparsamen Umgang mit fossilen Energieträgern und erfordert mehr Effizienz in der Wärmeerzeugung sowie den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Allein in Deutschland erfüllen von 17 Millionen Heizungsanlagen nur maximal 20 Prozent die zur Erreichung der politischen Ziele bis 2020 notwendigen Anforderungen. D.h., 13,6 Millionen Anlagen müssten bis 2020 erneuert werden, pro Jahr sind das 1,2 Millionen Anlagen. Daran wird deutlich: Der Heizungsmodernisierung kommt bei der Lösung der energie- und klimapolitischen Probleme eine herausragende Rolle zu, denn mit ca. 40 Prozent hat der Wärmemarkt den größten Anteil am Gesamtenergieverbrauch. Dabei gibt es viele gute Gründe, veraltete Heizungsanlagen zu modernisieren. So kann man nicht nur Heizkosten und Steuern sparen, sondern zusätzlich von Fördermitteln und günstigen Zinskonditionen profitieren. Effizienteste Maßnahme ist der Austausch veralteter Heizungsanlagen, zum Beispiel gegen moderne Brennwertgeräte, die mit thermischen Solaranlagen ergänzt werden. Denn wer in besonders energiesparende und umweltschonende Heiztechnik investiert, erhält finanzielle Unterstützung von Bund, Ländern, Kommunen und Energieversorgern.

Warum gibt es keine Abwrackprämie für Heizkessel?

Selbstverständlich winken modernisierungsbewussten Verbrauchern auch in der Heizungsbranche satte Prämien vom Staat: so wurde der sogenannte Kesseltauschbonus im Rahmen des Marktanreizprogramms (MAP) bis zum 31.12.2009 verlängert! Das heißt, wer bislang mit der Modernisierung seiner alten Heizungsanlage gewartet hat, sollte jetzt aktiv werden, denn die Neuauflage des MAP durch das Bundesumweltministerium mit deutlich angehobenen Fördersummen macht eine Heizungsmodernisierung jetzt noch loh- nender. So profitiert man nicht nur durch die Brennstoff-Einsparung von bis zu 40 Prozent, sondern es gibt bis Jahresende auch noch sattes Geld vom Staat dazu: wer also jetzt schnell handelt und seinen „Kesseloldie“ bis spätestens 31.12.2009 gegen ein modernes Öl- oder Gas-Brennwertgerät austauscht, erhält noch einen attraktiven staatlichen Bonus. Anlagenbetreiber zum Beispiel, die sich für eine Solaranlage zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung entscheiden und ihre alte Heizungsanlage gleichzeitig gegen einen Brennwertkessel austauschen, profitieren vom sogenannten Kombinationsbonus. Zusätzlich zur Basisförderung von 105 Euro pro angefangenem Quadratmeter Sonnenkollektorfläche erhält der Anlagenbetreiber einen „Altkesselbonus“ in Höhe von 750 Euro bei gleichzeitiger Modernisierung des Kessels durch ein Öl- oder Gasbrennwertgerät. Selbst wer eine Solaranlage ausschließlich zur Warmwasserbereitung einbauen lässt, wird noch mit 60 Euro pro angefangenem Quadratmeter 2Kollektorfläche, bzw. mindestens 410 Euro vom Staat belohnt. Auch hier erhält den Kombinationsbonus von 750 Euro, wer den alten Heizkessel durch eine Wärmepumpe oder einen Pelletkessel ersetzt. Für den Einsatz eines modernen Gas- oder Öl-Brennwertkessels gibt es in diesem Fall 375 Euro zusätzlich zur Solarförderung.

Gibt es spezielle Förderungen für Pelletkessel und Wärmepumpen?

Deutlich angehoben wurden die Fördersummen für Pelletkessel. So werden diese mit 36 Euro pro kW, mindestens jedoch mit 2 000 Euro gefördert. Bei Erweiterung um einen Pufferspeicher erhöht sich die Mindestförderung auf 2 500 Euro. Wird darüber hinaus auch eine Solaranlage eingebaut, kann man sich zusätzlich über die Solarförderung und den Kombinationsbonus von 750 Euro freuen. Wärmepumpen werden durch das MAP in Abhängigkeit von der zu beheizenden Wohnfläche gefördert. Unterschieden wird dabei noch zwischen Neubau und Modernisierung sowie Wärmepumpen, die Erdreich oder Grundwasser als Wärmequelle nutzen und Luft/Wasser-Wärmepumpen. Sole/Wasser- oder Wasser/Wasser-Wärmepumpen für einen Neubau werden mit 10 €/m2 Wohnfläche, bei Modernisierung im Bestand mit 20 €/m2 gefördert. Die baulich einfachere Modernisierung mit einer Wärmepumpe auf Luft/ Wasser-Basis wird mit 10 €/m2, der Einbau einer solchen Wärmepumpe in einen Neubau mit 5 €/m2 bezuschusst.

Bringt eine Heizungsmodernisierung weitere Einsparungen für den Anlagenbetreiber mit sich?

Durch eine Heizungsmodernisierung wird ein deutlich niedrigerer Energieverbrauch erzielt. Eine Brennwert-Kombianlage verbraucht beispielsweise im Vergleich zur alten Heizung bis zu 40 Prozent weniger Heizöl oder Gas. Drei Viertel dieses Energiesparpotenzials werden allein durch die Umstellung auf ein Brennwertgerät verwirklicht. Dabei ist Öl- oder Gas- Brennwerttechnik aufgrund der geringen Gesamtinvestition die wirtschaftlichste Lösung, um Energie und somit Heizkosten zu sparen. Geht es jedoch primär um die Unabhängigkeit von Öl oder Gas, ist der Anlagenbetreiber mit einem Pelletkessel oder einer Wärmepumpe gut beraten. Und zur weiteren Heizkostensenkung lässt sich jedes Heizsystem sinnvoll mit einer thermischen Solaranlage kombinieren.

Durch eine Heizungsmodernisierung lassen sich aber nicht nur Heizkosten, sondern auch Steuern sparen. Aufgrund des Gesetzes zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung vom 07 .04.2006 können alle handwerklichen Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten am Haus, in der Wohnung und auf dem Grundstück abgesetzt werden. Dazu zählt ins besondere die Erneuerung von Heizungsanlagen. Gefördert werden jeweils die Arbeitskosten der Modernisierungsmaßnahme bis zu einer maximalen Bemessungsgrundlage (einschließlich MwSt.) von 6 000,- € jährlich. Die Einkommensteuerersparnis (in Höhe von 20 %) kann sich somit auf bis zu 1 200 € im Jahr belaufen. Entscheidet sich der Anlagenbetreiber obendrein für eine Finanzierung, kann er zusätzlich bares Geld sparen. Viele Heiz- technik-Hersteller bieten in Kooperation mit Banken Verkaufsfinanzierungen zu besonders günstigen Konditionen an, die unterhalb des banküblichen Zinsniveaus liegen: z. B. 3,99 % effektiver Jahreszins bei 24 Monaten Laufzeit. Bei diesen günstigen Konditionen sind die Heizkosteneinsparungen deutlich höher als die Finanzierungskosten.

Wie kann Hausbesitzern die Angst vor zu hohen Modernisierungskosten genommen werden?

Wenn die finanziellen Mittel der Anlagenbetreiber knapp sind und größere Investitionen besonders reiflich überlegt werden, geben attraktive Fördermittel, Steuervergünstigungen und Zinssubventionen in vielen Fällen erst den Ausschlag für eine Modernisierungsentscheidung. Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Modernisierung einer alten Heizungsanlage hoch wirtschaftlich ist und sich in der Regel nach wenigen Jahren amortisiert.

Welche Rolle kommt dem Fachhandwerk bei der Heizunsmodernisierung zu?

Auch wenn vielen Betreibern veralteter Heizungsanlagen klar ist, dass eine Heizungsmodernisierung unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten dringend erforderlich ist, herrscht aufgrund widersprüchlicher Informationen aus Wirtschaft, Politik und Medien eine große Verunsicherung. Das Fachhandwerk nimmt eine Schlüsselrolle ein, wenn es um die neutrale Beratung von Anlagenbetreibern geht. So kann der Fachbetrieb unabhängig vom Energieträger über alle Wärmeerzeuger und deren Vorteile informieren und eine klare Produktempfehlung geben. Nur so kann der Anlagenbetreiber sicher sein, die für ihn beste Lösung zu finden, um Energie zu sparen und eine sichere Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Das fängt mit einer ausführlichen Bedarfsanalyse an. Anschließend werden dem Kunden die Möglichkeiten aufgezeigt, die ihm die aktuell am Markt verfügbaren Heizsysteme bieten. Am Ende steht eine konkrete Produktempfehlung des Fachhandwerkers. Nur, wenn der Anlagenbetreiber ein auf seine Möglichkeiten und Bedürfnisse maßgeschneidertes Angebot erhält, kann er auch sicher sein, ein Höchstmaß an Energieeinsparung, Umweltschonung und Komfort zu erhalten.

Quelle: Viessmann, Mai 2009