Warum heißt die Weißmühle in Lautern so?
Freitag, den 19. Februar 2010 um 22:24 Uhr
Im Dezemberheft berichteten wir über die Geschichte der Ciba Geigy Marienberg GmbH, die im Volksmund auch Blaufabrik genannt wird. Aus der Zeit, als die Fabrik noch Vereinigte Ultramarin Fabriken AG hieß, stammt auch das westlichste Gebäude des Areals, die sogenannte Weißmühle, heute arbeitet darin ein Spritzguß-Spezialist. Doch woher die Weißmühle ihren Namen hat, konnte uns niemand mehr beantworten. Bekannt war nur, daß hier vor der allgemeinen Elektrifizierung Drehstrom für die fabrikinternen Abläufe erzeugt wurde.
Jetzt gab Dr. Joachim Plenz die gewünschten Erläuterungen: „In der Weißmühle wurden seinerzeit die Ausgangsstoffe für die Ultramarin-Herstellung gemischt und miteinander vermahlen, die bis auf den Schwefel alle weiß waren, daher der Name des Gebäudes. Die Ausgangssubstanzen waren vor allem weiße Tonerde (Kaolin), Soda (weißes Natriumkarbonat) und der gelbe Schwefel, dessen Farbe aber praktisch in den anderen Substanzen unterging. Sie wurden zu je einem Drittel zusammengegeben, mit einer kleinen Menge Harz vermischt und in große Tontöpfe gefüllt, die etwa 30 Liter Inhalt hatten.
Die Töpfe mit Deckel (genannt Tiegel) wurden in großen Brennöfen aufgeschichtet und mehrere Tage bei ca. 800 °C gebrannt, anschließend langsam abgekühlt. Bei der Erhitzung verbrannte ein Teil des Schwefels zu Schwefeldioxid (stechender Geruch), das in den Kamin ging, ein anderer Teil wurde zu Sulfat oxidiert, das mit dem Kaolin eine komplizierte Mischkristallbildung einging, welche der ganzen Masse eine blauviolette Farbe verlieh. Das rohe Ultramarin wurde erneut gemahlen, mit Wasser gewaschen und damit von Nebenprodukten befreit, anschließend getrocknet und abgefüllt.“
Die erste Ultramarinfabrik in Deutschland war nicht die Blaufabrik in Lautern, sie wurde im Jahre 1834 von Carl Leverkus in Wermelskirchen im Rheinland gegründet, wo sie dem späteren Ort Leverkusen den Namen gab. (mh)