Vom Kumm-Owend, vom Schwätzen, von Smsen, chatten und Wii-en
Freitag, den 04. März 2011 um 23:58 Uhr
Nein, das ist keine gerade erst entdeckte endemische Sprache einer einsamen Insel am Polarkreis. Es geht hier um zwischenmenschliche Kommunikation früher und heute. Was ein Kumm-Owend ist, hat Ria Märtin stimmungsvoll beschrieben in „E Stubb voll Ourewäller Leid" im Jahrbuch 2011 des Odenwald-kreises, „Gelurt" (ISBN 978-3-9805891-8-9).
Es ist nicht gut daß der Mensch allein sei - so steht es schon in der Bibel. Aber was tun Menschen eigentlich heutzutage: sie reden nicht miteinander, sondern schicken - gräßlich fehlerhafte - SMS. Sie gehen nicht miteinander aus - sie chatten (gräßlich fehlerhaft), sie treffen sich nicht zu Erzähl- oder Spielabenden: sie hampeln mutterseelenallein auf ihrer Wii herum. Der „Kumm-Owend" dagegen ist die Odenwälder Antwort auf den jour fixe der vornehmen Herrschaften in den Städten.
Statt geziert im Salon Konversation zu betreiben, saß man beim Kumm-Owend gemütlich in der Küche zwischen all den Spuren täglicher Hausarbeit, trank einen Schoppen vom Selbstgekelterten - und schwätzte.
Schwätzen: umgangssprachlicher Ausdruck für erzählen „wie's Maul gewachse is", über jemanden herziehen, etwas durchhecheln, Witze und Anekdoten zum Besten geben, alte Kamellen aufwärmen, räsonieren, schwadronieren, bramarbassieren (wundervolles Wort!), eben halt schwätzen. Vor allem über die guten alten Zeiten, als es weder SMS noch Chat oder Wii gab...
Wers ausprobieren möchte: einen Spieletag mit vielen bekannten Brett- und Karten-spielen gibt es am 10. April in Gadernheim und Kumm-Owend ist in allen Gasthäusern an fast jedem Abend!
Ihre Redaktion, Marieta Hiller