Wanderung des OWK Reichenbach: Hunrode nur theoretisch betrachtet

Im wahrsten Sinne ins Wasser gefallen war die geplante Wanderung zum verschwundenen Örtchen Hunrode, zu der der OWK und der Verschönerungsverein Reichenbach eingeladen hatten. Wider Erwarten trafen sich trotz strömenden Regens fast 80 wild entschlossene Wanderer an der Kirchentreppe. Wegen der vereisten Wege im Wald sah Wanderführer Philipp Degenhardt jedoch von einem Marsch den Hohberg hinauf ab und führte die gut beschirmte Schar den Hahnenbusch hinauf direkt zum Schützenhaus. Dort erwartete der Schützenverein den auf rund 100 Personen angewachsenen Ansturm bereits mit Kaffee und Kuchen. So ganz vergessen wollte man das eigentliche Ziel des Tages aber nicht und Gemeindevertretervorsitzende Heidi Adam referierte anschaulich über die verschwundene Ansiedlung Hunrode, die man auf einer Tour hinauf zum Hohberg in Richtung Jagdhütte Tempel in einer Mulde zum Hahnenbusch hin hatte suchen wollen.

Spuren, so Heidi Adam, hätte man jedoch keine finden können. Der einstige Wohnplatz soll im 8. Jahrhundert aus einer Wildhube aus früher fränkischer Zeit hervorgegangen sein. Die Gründung des Dörfchens sei dann vor 1400 erfolgt, wie aus einer Lehensurkunde hervorgehe. Immer wieder verschiedene Bezeichnungen werden für das Örtchen genannt. So hieß es 1438 Humrode, 1443 Hunrode, 1514 Hanrodt Hagan, was gehegter Wald bedeutet und schließlich im Jahre 1653 findet man den Namen Hohenrode, was eine hoch gelegene Rodung beschreibt.

 

Selbstverständlich dürfe man sich bei dem verschwundenen Ort keine modernen Siedlungsformen vorstellen, sondern einfachste Behausungen. Erst später sei man dazu übergegangen, Steinfundamente zu verwenden mit daraufgesetzten Holzkonstruktionen. Gesiedelt wurde dort, wo es Wasser gab, Wald für Feuerholz und Schutz gegen wilde Tiere. Da Karl der Große zunächst die Jagd- und Wildbannrechte nicht an das Kloster Lorsch geschenkt hatte, siedelte er gegen Wilderer einen Wildhüter an der Stelle des späteren Hunrode an. In Hunrode soll es maximal vier bis sechs Hofreiten gegeben haben, 1477 wird noch von einem Haus berichtet. Allerdings benennt das älteste Kirchenzinsbuch 1479 ein Gewann "by dem Gotshuselin“, d.h. es muss eine Kapelle gegeben haben, die später abgebrochen und eventuell nach Reichenbach verbracht wurde. Noch 1611 zinsen vom Sattelhof Michel und Hans Gantzert ½ Malter Korn, was belegt, dass dort keine Reichtümer erwirtschaftet wurden. Dieser Hof muss als einziger übrig geblieben sein, denn nach 1514 wird Hunrode nicht mehr als Wohnplatz erwähnt. Als Gründe für das spurlose Verschwinden nannte Heidi Adam einmal den Bau der Straße durch das Lautertal. Hatte man zuvor wegen der sumpfigen Tallagen Wege meist auf die Höhenzüge verlegt, so wurden später die inzwischen gerodeten und trocken gelegten Täler verkehrsmäßig erschlossen. Damit war Hunrode vom Verkehr abgeschnitten. Dass man keine Häuserreste mehr vorfinde, liege daran, dass man früher die wertvollen Materialien der Häuser wiederverwendete, das heißt, mit den Balken und den schon behauenen Steine wurden an anderer Stelle neue Häuser gebaut. Durch die veränderten Verkehrswege seien viele Orte im Odenwald verschwunden, wie auch Graulbach in Richtung Beedenkirchen. Das Örtchen Hohenstein habe sich noch etwas länger gehalten.
Als Karl der Große 1012 dem Kloster Lorsch auch noch den Forst- und Wildbann schenkte, wurde erstmalig Reichenbach und Beedenkirchen in einer Urkunde erwähnt. So können die beiden Ortsteile von Lautertal 2012 ihr 1000-jähriges Bestehen feiern.
Als weitere Station der Wanderung war noch die Bechtel-Ruhe geplant gewesen. Auch diese hatte die Wanderschar links liegen lassen müssen. Hierzu wusste Heidi Adam zu berichten, dass der in Kolmbach 1867 geborene Heimatdichter aus einer alteingesessenen Odenwälder Familie aus dem Schlierbachtal stammte. Bei seiner Heirat mit Barbara Frödert (1897) zog er nach Reichenbach um. Geblieben sind von ihm zahlreiche Theaterstücke, Lieder und Gedichte. Zum Abschluß dankte der Ehrenvorsitzende des Verschönerungsvereins Albrecht Kaffenberger Heidi Adam für ihr aufschlußreiches Referat. (koe)