Bei der Recherche zum Reichenbacher Natursteinwerk DESTAG erhielt ich die Information von Philipp Degenhardt, daß es neben anderen auch einen Steinbruch der DESTAG bei Schannenbach gab. Auf Nachfragen ergab sich jedoch, daß nichts darüber bekannt ist. Herr Rainer Rößler aus Schannenbach hat dazu eigens nachgeforscht und mir die Ergebnisse zukommen lassen.

Betreiber zu den in der Standortkarte zum Thema „Natursteinabbau am Krehberg“ als Teil der Informationen zum Geopunkt Lautertal-Schannenbach eingetragenen Brüche:

Rainer Rößler schreibt dazu:

 

Rainer Rößler: "Zum Zeitpunkt der Kartierung zu den einzelnen Abbauflächen lagen uns nur die auf der Karte darstellten Betreiber vor (2018/19). Die Recherche zu den einzelnen Betreibern ist aufgrund der Einblicke in die Archive sehr zeitaufwendig und war von uns (noch) nicht zu leisten. Wir haben uns daher auf die Aussagen von Zeitzeugen und Foto-Dokumenten gestützt und, soweit bekannt, auf den jeweilig letzten Betreiber der Abbaufläche festgelegt. Mitunter waren es seit der ersten Abbaufase mehrere Betreiber, die am Krehberg in den einzelnen Steinbrüchen tätig waren.

Nun zu Ihrer Frage, ob die Firma DESTAG einen Steinbruch am Krehberg betrieben hat? Bis dato ist uns ein entsprechender Nachweis nicht bekannt. Es könnte aber sein, dass an einem der Standorte ein zeitlich befristeter Pachtvertrag oder eine Unterverpachtung stattgefunden hat. Was zurzeit nachweisbar ist, ist ein Verkaufsgeschäft vom 19. Feb. 1946 zwischen Herrn/Frau Andreas Meyer Steinbruchbesitzer aus Schannenbach und der Firma DESTAG über gebrochenes und tlw. bearbeitetes Rohmaterial, einschließlich von Werkzeugen und Geräten aus dem Bruch. Der Steinbruch wurde aufgrund der Nachkriegswirren von der Familie Meyer nicht mehr intensiv betrieben und sollte aufgegeben werden.

Aus diesem Verkaufsgeschäft und vielen anderen möglichen Ankäufen von Natursteinblöcken aus anderen Steinbrüchen am Krehberg könnte meiner Meinung nach die Annahme entstanden sein, dass die Firma DESTAG einen eigenen Steinbruch betrieben hat, was wir (noch) nicht bestätige können."

 

 

 

Mit Einverständnis der rechtsnachfolgenden Familie legen wir Ihnen den Kaufvertrag zwischen des Herrn/Frau Meyer und der der Firma DESTAG über den Ankauf aus dem Steinabbaubereich Kesselberg 2 zur weiteren Verwendung bei.

Die offizielle Standortkarte des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald mit Erläuterung der Recherche zum Abbaubereich des Kesselberges:

Karte Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald unter Verwendung des digitalen Geländemodells mit freundlicher Genehmigung der Landesdenkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE. Die Reliefkarte wurde von Bezirksarchäologen Herrn Becker erstellt und von Jochen Babist ergänzt.

Ein herzliches Dankeschön für alle Informationen, die ich freundlicherweise erhalten habe!

Herrn Rainer Rößler
Herrn Wolf Nevermann
Herrn Jochen Babist

Bitte lesen Sie dazu auch:

Geopunkt: Verschönerungsverein Schannenbach dankte mitwirkenden Zeitzeugen für Unterstützung vom Januar 2021
Schannenbach: Geopunkt fast fertiggestellt  vom April 2020
DESTAG: der Beitrag erscheint online am  8. Juni 2021

Ältere Beiträge:
Auf Spurensuche: Steinbearbeitung im Odenwald über die Jahrhunderte am Krehberg und am Johannesberg

Verschiedene Beiträge zum Thema Steinbruch: https://www.felsenmeerdrachen.de/das-felsenmeer/felsenmeer-geschichte

 

 

Geometer Röder erstellte in den Jahren 1837-1840 ein detailliertes Messbuch der Fluren um Beedenkirchen: "Meßbuch über die Flur- u. Gewannaufnahme der Gemarkung Beedenkirchen mit Wurzelbach"

Zu finden ist das Messbuch im Hessischen Staatsarchiv Wiesbaden unter Signatur HHStAW 541 Nr. 3037, allerdings ist das Original bislang noch nicht digitalisiert worden. Freundlicherweise scannte mir Herr Satschuk ein paar Seiten ein, damit ich sie hier vorstellen kann. Die ersten paar Seiten genügen dafür auch, denn das dicke Messbuch enthält Seite für Seite für Seite die akribischen Einträge von einem Meßpunkt zum nächsten.

Einband des Dokuments: "Zur Beachtung:! Das Messbuch ist nach Gebrauch unaufgefordert wieder an das Landesvermessungsamt zurückzugeben"

Auf Seite 1 im Buch beginnen die Fluraufnahmen. Jede Station kennzeichnet einen Grenzstein oder Meßpunkt mit zugeordneter Nummer oder auch Ortsbeschreibung wie "C von Balkhausen". Bei manchen Stationen ist als Name auch "Pflock bei 54" verzeichnet. Notiert wird die Entfernung des jeweils linken und rechten Signals, und zwar akribisch mit Koordinaten in Grad, Minuten und Sekunden.

Marieta Hiller, im Mai 2021

Hier entsteht in den nächsten Tagen der Beitrag "Amtsblatt zum Chausseebau Gadernheim-Brandau von 1844"

Wer weiß etwas über die Grabstätte von Johann Wilhelm Grimm?

Einer der ersten Geometer in unserer Region war Johann Wilhelm Grimm. Er wurde 1703 geboren und zog im Laufe seines Lebens nach Reichenbach, wo er 1778 verstarb.
In den Jahren zwischen 1729 und 1750  erfaßte er die Fluren unserer Region erstmals mit der exakten meßtechnischen Methode der Dreiecksvermessung.
Bevor Grimm sich um 1730 herum aufmachte, die Landschaft unserer Dörfer exakt zu vermessen und zu kartieren, arbeitete man nicht mit Karten. Es genügten Einträge ins Gemeindebuch, um die Besitzverhältnisse zu klären. In Grimms Zeit fiel auch der Reichenbacher Kirchenneubau im Jahre 1747. Somit wurde Grimm auf dem neugestalteten Reichenbacher Friedhof beerdigt. Von seinem Grab ist heute jedoch nichts mehr bekannt.

Für viele ältere Mitbürger weckt das ehemalige Reichenbacher Schwimmbad schöne Erinnerungen an erfrischende Abkühlung und nette Erlebnisse. Ab dem 19.Mai 1927 bis in die 60er Jahre war das kleine Freibad im Höllacker der Freizeitspaß Nummer eins im Lautertal. Für viele bot das Bad erst einmal die Gelegenheit schwimmen zu lernen. Leider musste die Freizeiteinrichtung nach einem Todesfall durch Herzversagen geschlossen werden.

"Es zwadde Mol drohd sich Oustern blouß nä uffem Babier se präsendiern: Lock-doun, Fernseh-Kerch un Telefongebabbel ånstatt ächdi G'sellichkeid zu de Feierdåe. Dodebei häwwe mä däs all sou näirisch, däs G'speer vun Ufferstehung! – Ver alle Dinge im Soziale, e gånz Johr unner Corona ohne G'sellichkeid, ohne Schmatz un Geknuddel, däs is hart. Mer Äldere schligge däs, mä hodd jå Vestånd, äwwer die Kinner, denne fehlt doch däs Beiennånnerhogge. Jeed Bobbelche will jå schon uff de Måme rimkrawwele un is seelich debei. Schogelåd unn Computerspeele kenne do nedd mid, menschlichi Neh gäid iwwer alles. Un dodevåu hånneld maoi klåni G'schichd."

Gadernheimer Grenzgang mit Georg Grohrock 2009

Grenzgänge können viel über Land und Leute zu Tage fördern, wenn man bereit ist mitzugehen und zuzuhören. Einer der freundlichen Grenzgang-Führer war Georg Grohrock. Bereits im Jahr 2000 hatte ich an einer Führung mit Georg Grohrock in die Neunkircher Höhe teilgenommen. Ein übersprudelnder Quell an Wissen wurde den Wanderern auch 2009 zuteil:

Foto: M. Hiller

Georg Grohrock in Aktion

Als der Dingeldeinshof vor vielen Jahrzehnten unter den Brüdern aufgeteilt wurde, gab es einen dritten, unverheirateten Bruder. Dieser erhielt nicht seinen Teil vom Hof und den Feldern, sondern die anderen beiden Brüder bauten ihm auf der Höhe nördlich von Gadernheim ein Häuschen. Dort wohnte der Dritte nun allein, aber er ging recht gern in eines der damals sechs Gadernheimer Gasthäuser. Und einmal, als er eigentlich nach Hause gehen sollte, meinte er “wozu soll ich heimgehen, hier ist es doch schöner als in der Schweiz!” - womit er die damals touristisch schon recht gut erschlossene Schweiz in den Alpen meinte.

Seine Mitbürger aber gaben damals der Straße, die zu seinem Häuschen führte, den Namen “Schweiz”, und den führt sie heute noch. Diese und andere Geschichten und historische Begebenheiten wußte Georg Grohrock zu berichten. Viel erzählte er über die Zeit vor 250 Jahren, als der Geometer Grimm eine detaillierte Karte der Gegend um Gadernheim zeichnete. Damals gab es wesentlich weniger Wald als heute, die Gegend bis zum Kaiserturm hinauf war früher Acker, erkennbar sind die Flächen daran, daß hier keine Steine liegen. Diese wurden am Rand der Äcker gesammelt.

Der Rauhestein etwa wird in der Grimm-Karte als “Irr” = Erde bezeichnet, was auf alten Ackerbau hinweist. Hier könnte also vom Ende des dreißigjährigen Krieges bis etwa 1740 Feldfrüchte, z.B. Haarekorn (= Buchweizen) angebaut worden sein. Der Name Rauhestein weist aber schon auf die Qualität der Erträge hin...

Auch die Straßen verliefen früher anders: der heutige Brandauer Weg stellt in seiner Fortsetzung Richtung Kriegsdenkmal westlich von Brandau die uralte Straßenverbindung zwischen Hutzelstraße und Weinweg dar, beides Uraltstraßen aus der Zeit schon vor den Römern. Damals führten die Straßen über die Höhenzüge, um morastige Stellen zu vermeiden. Die Dörfer aus jener Zeit reichten meist bis zu den jeweils höchsten Stellen ringsum, dort war die Grenze.

Da jedoch die Gadernheimer Gemarkungsgrenzen rundum über die Höhe hinausgehen, kann man annehmen, daß Gadernheim eine sehr alte Gründung ist. Grohrock leitet den Namen von Gadero = Gatter her, denn die Siedlung entstand seiner Meinung nach an der alten Straßenverbindung und war zur Straße hin durch Gatter versperrt, damit das Vieh nicht entlaufen konnte.

Der Weinweg verlief bis nach Aschaffenburg, zum Teil entlang des bereits im Lorscher Kodex beschriebenen Grenzverlaufs der Basinsheimer Mark. Über das Wegerecht z.B. auf der breiten Heide (“braad Haad”) gibt es Verträge, die 400 Jahre alt sind. Hier in der Nähe, im Wald “am Hinkelstein” soll alten Geschichten zufolge früher einmal ein Hünengrab gewesen sein. Doch seit fast einem Jahrhundert wurden hier Steine gebrochen, so daß mögliche Spuren nicht mehr auffindbar sind. Die ältesten Grenzsteine jedoch, die auffindbar sind, stammen aus dem Jahr 1739 und sind in Grimms Karten verzeichnet.

Im Forschd wie auf der Braad Haad wurden im Jahr 1920 / 21 vom Fürst bzw. Großherzog Ackerstücke für die Geißbauern angelegt, die sogenannten Löser. Daher hat in Lautern der Löserweg seinen Namen. Diese Löser konnten von den Geißbauern - die ärmsten Bauern nach den Kuh- und den Gailsbauern - bewirtschaftet werden.

Der Wald zwischen Lautern und Gadernheim (“de Forschd”) war früher fürstlich, erst Erbach-Schönbergisch, dann großherzoglich. Danach kam er zum Land Hessen. Auf Lauterner Seite, unterhalb der Lettersbrücke, gab es einmal die Anlage einer Mühle. Das Wehr für den Mühlbach war bereits angelegt. Doch die Schönberger Mühle klagte geben den Mühlenneubau, weil sie Einschränkungen der Wassermenge befürchtete, und so wurde dieser Bau niemals durchgeführt.

Die Nibelungenstraße - heute teilt sie unsere Gemeinde in Nord und Süd, war gar nicht die älteste und wichtigste Verbindung. Die Straße von Brandau ist genau fünf Jahre älter. Sie ist eine Provinzialstraße und führte von Roßdorf zum Gumper Kreuz. Fertiggestellt wurde sie 1843. Davor muß man sich Reisen von einem Ort in den anderen als ziemlich matschige und beschwerliche Angelegenheit vorstellen. Erst 1848 wurde die Straße nach Bensheim gebaut, die Bauplätze entlang der Straße wurden zum Teil verschenkt. (mh)

Landwirtschaft vor 250 Jahren anhand der Karte des Felsberges von Johann Wilhelm Grimm

Bei einer Führung durch die Gadernheimer Fluren der Neunkircher Höhe im Jahr 2000 erläuterte Georg Grohrock, Geometer aus Gadernheim und inzwischen leider verstorben, interessierten Teilnehmern, welche Flächen vor 250 Jahren noch landwirtschaftlich genutzt wurden, die inzwischen vom Wald zurückerobert worden sind.

Wie der Krieg in Gronau klang, darüber gibt uns ein Tagebuch Auskunft, das der Gronauer Politologe Stefan Hebenstreit in den Geschichtsblättern des Kreises Bergstraße Band 53, erschienen im Dezember 2020, beschreibt.
Während manche in diesem Dezember 2020 vom schlimmsten Weihnachtsfest seit Kriegsende sprechen, zeigt uns dieses Tagebuch, wie es den Menschen in Gronau im Kriegswinter 1945 zumute war. Der Winter neigte sich dem Ende zu, das vergangene Weihnachtsfest war kalt. „Das Jahr 1945 hat mit Schnee angefangen und wir hatten den ganzen Januar Schnee.“ So schreibt Maria Rettig aus Gronau in ihr Tagebuch. Im März schließlich berichtet sie von Bomberangriffen in der Nachbarschaft und von der Einquartierung von 50 bewaffneten Wehrmachtssoldaten angesichts der anrückenden US-Truppen. Angst um Leib und Leben und um die Häuser herrschte, denn 50 deutsche Soldaten stellten ein willkommenes Ziel dar. Glücklicherweise zogen sie bald wieder ab, und man hörte in Gronau das Artilleriefeuer von Schwanheim und aus dem Waldgebiet zwischen Gronau und Schannenbach. In der Nähe des Steinbruchs Karl Kreuzer gab es Tote. (Lautertal_GP_Schannenbach-Geologie_5, Verz. 0420). Die US-Truppen fuhren nicht durch Gronau, sondern über die Nibelungenstraße von Schönberg Richtung Lautern. Gleichzeitig drangen sie von Jugenheim Richtung Kuralpe vor. Das war am 27. März 1945. Vom Felsberg und vom Borstein aus lieferten sich von deutschen Batterien in Lautern und am Hohenstein angegriffebe US-Panzer ein Gefecht, aus Gadernheim wurden sie in der Nacht ebenfalls beschossen und feuerten auf das Dorf. In Gronau hörte man den Einschlag eines Geschosses im Hohensteiner Wald.
Die Ereignisse im März 1945 stellt Stefan Hebenstreit anhand der Tagebucheinträge von Maria Rettig in Beziehung zu Berichten aus den Nachbardürfern und erzeugt so ein beklemmendes Bild vom Leben zwischen einquartierten deutschen Soldaten und Schutzraum im Keller. Hebenstreit räumt auch mit der Vorstellung des Dorfes Gronau als „schönste Sackgasse“ des vorderen Odenwaldes auf. Wo für motorisierte Fahrzeuge der Weg endet, haben Fußgänger ungehinderten Durchgang. Gronau liegt auf halber Strecke zwischen Schannenbach und Bensheim an einem vielgenutzten Fußweg. Doch während die US-Truppen über die Nibelungenstraße und die Forststraße Ober-Hambach - Schannenbacher Eck schon am 27. März vorrückten, ergaben sich die Gronauer friedlich. Maria Rettig sah viele flüchtende Wehrmachtssoldaten, die versuchten, in Zivilkleidung durch die Wälder zu entkommen: „Man hätte weinen können um das viele Militär, das von hier aus in Gefangenschaft geht“.. Am 28. März um 10 Uhr trafen die US-Militärfahrzeuge in Gronau ein, mit Schokolade und Zigaretten für die Dorfbevölkerung.
Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße Band 53, ISSN 0720-1044

Lesen Sie auch: https://www.schannenbach.de/das-projekt-geopunkt-schannenbach/

 

Die Neumühle in Brandau

https://www.felsenmeerdrachen.de/felsenmeer-steinindustrie/aus-waeldern-und-doerfern

Lancaster-Absturz

 

Absturzstelle der Lancaster vom November 1943, unten Luftschutztafel im Museum Brandau - alle Fotos M. Hiller

Es stand im Durchblick: Oktober 2012 - Heimatverein Brandau weiht Heimatmuseum ein

Die Gemeinde Modautal und der Heimatverein Brandau e.V. hatten zur Einweihung des Brandauer Heimatmuseums im August eingeladen, um die Sammlung bäuerlicher und handwerklicher Geräte, Kücheneinrichtung, Spielzeug, Webstuhl, Turmuhr etc. der Öffentlichkeit zu übergeben. Dazu gehörte auch das kleine Lancaster-Museum und die restaurierte gemeindliche Viehwaage, auf der nach der Eröffnungsrede von Modautals Bürgermeister Jörg Lautenschläger, bei der er neben Landrat Klaus Peter Schellhaas auch die Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries und Vertreter aus Politik, Handel und Gewerbe begrüßte, Bürgermeister und Landrat gewogen wurden.

Rainer Hubertus, Vorsitzender des Vereins, erläuterte in seiner Begrüßung die Beweggründe für die Einrichtung und den Werdegang des Museums: "Der Heimatverein feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen und dies war für uns ein Muß, unser kleines Museum einmal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Museum ist eigentlich kein richtiges Museum, sondern eine Sammlung, ein Magazin, ein Lager für die Utensilien vergangener Brandauer Tage. Uns war nämlich bewußt geworden, daß wir hier in Brandau das Ende einer Menschheitsepoche erleben, die über 10 000 Jahre gedauert hat"

Von den ersten Ackerbauern an entwickelte sich über diese lange Zeit die Landwirtschaft zu dem, was durch die Technisierung in kurzer Zeit unwiederbringlich sein Ende fand. Nur Wenige wissen noch, was ein Kaffdelaadersche, ein Schloggerfaß oder ein Reff ist. Im ehemaligen Faselstall, in dem früher die Vatertiere Bulle, Eber und Ziegenbock gehalten wurden, sollten nach den Vorstellungen des Vereins all die Dinge gesammelt, restauriert und gezeigt werden, die in einem ehemaligen Bauerndorf zum Alltag der Menschen gehörten. Und die Gegenstände, die Exponate aus den verschiedenen Höfen, sollten von ihren Eigentümern ohne Bezahlung überlassen werden. Dieses Ziel konnte realisiert werden, so wie unzählige Exponate kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden, so gab es auch viele Materialien "vom Sperrmüll", mit denen die rührigen Vereinsmitglieder die Räumlichkeiten sehr liebevoll und kostenbewußt ausgestattet haben.

Wappen aus dem Museum Brandau

Bald gibt es Neues: das Märche vum Hås un Ijel ist auf der neuen Projekt CD mit Begleitbuch "Märchen in Südhessischer Mundart" mit dabei. Sobald alles perfekt ist, lesen Sie es an dieser Stelle! Hier schon mal eine Illustration von Conny Abramzik für das Begleitbuch; weil Edith Keil, die Babblerin, einen Bezug zu Neunkirchen hat (ihre Mutter wohnte dort), wurde die Kirche Neunkirchen als Hintergrund gewählt.

Conny Abramzik, Mundart 

Unsere Conny Abramzik hat jetzt für das Begleitbuch eine Illustration gemalt. Weil Edith Keil, die Babblerin, einen Bezug zu Neunkirchen hat (ihre Mutter wohnte dort), haben wir die Kirche Neunkirchen als Hintergrund gewählt.

Liebe Kinder, liebe Märchen- und Mundartfreunde!
Grafik: M. HillerAls ich dieses Heft (Aprilausgabe 2020) erstellt habe, ist mir genau das ständig passiert: ich habe eine Seite fertig gemacht, und schon kam das Coronavirus und rief "ich bin schon da!" Deshalb möchte ich euch dieses Märchen vom Hasen und vom Igel gern hier in Ourewäller Mundart präsentieren. Das Original ist von den Brüdern Grimm und stammt aus  der Gegend um Buxtehude. In sage und schreibe 1 Tag 3 Stunden und 28 Minuten hat Fritz Ehmke gemeinsam mit Edith Keil (beide Mundartfreunde Südhessen) mir diese Übersetzung in Ourewäller Mundart geliefert, gerade richtig zum Osterfest! Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Hinweis zur Aussprache:
nasaler Selbstlaut Å, å z.B Stein (Stoa), = Stå, Bein= Bå, dann= dånn) 

Märche vum Hås un Ijel

Die Gschichd muss mä mid e wing Geschmunzel vezäjhle, ehr Leit, äwwer wohr isse doch, weil moin Groussvadder, vun wellem ich se häb, der håd als immer g`såt: „Wohr muss se soi, moin Bu, sunst kennd mä se jå går ned vezäjhle“. Un dånn horrä sich´s gemiedlich gemåchd un ou`gfånge:
Es wår emol åne`me Sunndåchmojend in de Eern, gråd wie de Buchwaaze gebliehd håd. Die Sunn wår schon hell åm Himmel, en leichde Wind is iwwer die Stobbel gestreche, die Lerche häwwe houch in de Luft gstånne, die Bie wårn fleissich. Doo sin die Leit im Sunndåchsstååd geje die Kerch gelaafe, jedi Kreadur wår zefreere un de Ijel aach.
Der stejhd vä soine Deer, die Ärm iwwerkreiz, luurd in den schejne Mo`jend un trällerd do debei e Liedche, sou gud un schläächd, wie håld an Ijel singe kånn ån sou em schejne Sunndåchmojend. Wie er do sou halblaud vä sich hejsingd, kimmd em in de Sinn, dass er jo mål noch soine Steggriewe gugge kennd. Dem Ijel soi Fraa un soi Kinner sin derweil aach uffgewachd un fidel. Er spazierd niwwer zu dene Steggriewe, welle de Ijel un soi Leit als ehr eijen Sach ougugge, weil de Agger ehrm Häisje åm nächsde lejd. Er is noch ned weid vum Haus ford un will gråd im en Hollerbusch rim, weller dord am Feld stejhd, wie ehm de Hås vä´s Aach kimmd, weller noch soim Kraud un soine Riiwe gugge will. De Ijel bied em en guure Moje. Äwwer de Hås griesd ned, der Långaff is årg oigebild, der veziggd nä soi Schnud un säjgt zu dem Ijel: „Wie kimmd´s dann, dass du bei dem frijhe Mojend uffem Feld rimlaafe dusd?“ „Ich gejh spaziern“, säjgt de Ijel. „Spaziern“, lachd do de Hås, „ich glaab, du kennsd doi Båå fä gscheirere Sache gebrauche.“   
Die Óndword is dem Ijel årg an die Niern gånge; er kånn nämlich alles vedråche, blouss ned ebbes iwwer soi Båå, gråd weil se vun Nadur aus sou schebb wårn. „Du bildsd där ebbes oi“, säjgd de Ijel zu dem Hås, „dass du mid doine Båå mej ausrichde kånnst, wås?“ „Däs måån ich“, säjgd de Hås. „Däs kimmd uff en Versuch druff ou“, häld de Ijel degeje, „ich wär do debei, wånn mer im die Wett renne wolle, un ich werd gewinne.“ „Däs is jo zum Lache, du mid doine schebbe Båå“, säjgd de Hås, „äwwer moindweje, wånn du däs oubedingd willsd. Wås gild die Wedd?“ „En goldiche Louisdor (Goldstück) un e Fässje Schnaps“, säjgd de Ijel. „Däs is e Word“, vekind de Hås, „schlåg oi, un dånn kann´s lousgejh.“ „Wård nä e wing, sou eilich isses gråd ned“, måånd de Ijel, „ich häb noch går ned gfriehstiggd; loss mich nä a Weil håmgejh un ebbes esse, bis innere halwi Stunn bin ich wirrer do.“
Dodemid is de Ijel ford un de Hås is gånz zefreere. Unnerwägs dengd de Ijel: „Der Hås verlässd sich uff soi långe Båå. Äwwer ich werr`en oufehrn. Er ist jo en foine Pingel, äwwer doch dumm wie`en Ejsel, der soll mä´s bezåhle“. Wie de Ijel dånn håmkumme is, säjgt er zu soine Fraa: „Fraa, zigg dich glei ou, du mussd mid mä naus uff´s Feld.“ „A wås gid´s dånn?“, frägd`se. „A ich häb mid em Hås gewedd im en Louisdor un e Fässje Schnaps, mä wolle im die Wett renne; un du soll´s do debei soi.“ „Im Himmels wille, Månn“, fängt die Fraa ou ze greische, „bisd`de dånn noch gscheid, hos`de dånn noch alle Tasse im Schrång? Wie kånnsde dånn mit em Hås im die Wett renne wolle?“ „Babbel ned“, säjgd de Ijel, „un kimmer dich ned im de Månnsleid ehr Sach. Allee hopp, zigg dich ou un kumm!“ Wås soll dem Ijel soi Fraa do mache? Sie muss mid, ob se will orrer ned.
Wie se dånn unnerwägs sin, fängd de Ijel e Red ou: „Geb Åchd, ich will dä däs vedeidlische. Gugg, do driwwe uff dem långe Agger, do wolle mä unser Wettrenne åbhååle. De Hås leefd in de åne Furch un ich in dere ånnere. Un dord drowwe fånge mä ou. Un du hosd nix ånneres ze dou als wie dich do unne in die Furch ze hogge, un wånn de Hås die ånner Furch nunner gerennt kimmd, do springst de uff un riffsd: Ich bin schun do!  
Dånn sin`se åm Acker oukumme, de Ijel gidd soine Fraa ehrn Platz ou und gejhd de Acker nuff. Wie er drowwe is, wår de Hås schun do. „Kånn´s lousgejh?“ säjgt de Hås. „Jawoll“, säjgd de Ijel. „Dånn wolle mä ned länger wårde.“ Un jerer stelld sich in soi Furch. De Hås zäjhld: „Un ååns, un zwaa un drei“, un lous rennd er wie en Stårmwind den Agger enunner. De Ijel äwwer is blouss zwaa, drei Schridd geloffe, dånn horrer sich geduggd un is gånz ruhisch in soine Furch hoggeblewwe.
Wie dånn de Hås mit vollen Karracho drunne oukimmd, riffd dem Ijel soi Fraa: „Ich bin schun do!“ De Hås vewunnerd sich årg, er måånd´s ned ånnerschd, als däs wär de Ijel gånz perseenlich, der em do gejeniwwer stejhd; bekanndlich sischd dem Ijel soi Fraa gråd aus wie ehrn Månn. De Hås dengd äwwer bei sich: Do is was faul bei dere Sach. Un er riffd: „Noch emol gerennd, jedzd nuffzus!“ Un ford rennd`er wie en Stårmwind, dass die Ohrn nä sou flieje. Wie er äwwer drowwe oukimmd, riffd em de Ijel zu: „Ich bin schun do!“
Wie er dånn zum vierunsiebzigsde Mol gerennd is, is`er nemmej åns Ziel kumme. Medde uff em Agger sterzd er neerer, s´Blut steigd em zum Hals un er bleibt åm Ord laje. De Ijel äwwer schnappd soin Louisdor un däs Fässje Schnaps, riffd soi Fraa aus de Furch un die zwaa gejhn munder minånner håm, un wånn se ned vestorwe sin, dånn läwe se heid noch.
Sou håd sich´s zugedråche, dass uff de Buxtehuder Haare de Ijel den Hås håd sich doud renne losse. Un seid der Zeid håd sich kån Hås mej oifalle losse, mid em Buxtehuder Ijel a Wettrenne ze mache.
Die Lehr äwwer vun dere Gschichd is erschdens: Kåner, un wånn er sich a fä noch sou foi un groussårdich häld, derf sich ougestroofd lusdich mache iwwer en klåne Månn, un wär däs blouss en gemåne Ijel. Un zwaddens: Es is immer zu roore, die Fraa aus`em eichene Stånd zu nemme, die åm ähnlich is. Wånn åner en Ijel is, dånn soll er e Ijelweib nemme, un sou weirer.
Textvorlage stammt aus: Bechstein, Grimm, Hauff, Deutsche Märchen, Knaur Verlag 1954,S. 676ff.
In dieser Ausgabe ist das Märchen nicht in Hochdeutsch abgedruckt, sondern in Plattdütsch.
Übersetzt in den Brandauer Dialekt von Edith Keil und Fritz Ehmke, Mundartfreunde Südhessen
www.gebabbel-suedhessen.de- 19.03.2020

Und wenn ihr meine persönliche Version des Märchens lesen wollt, in dem selbstverständlich ein Drache vorkommt, dann lest hier weiter! Ich wünsche euch ein gemütliches Osterfest - laßt es euch gutgehen und bleibt gesund... Marieta Hiller